| Um Dietmar Dath kam kaum herum, wer sich in den letzten fünfzehn Jahren ab und zu mal dem gedruckten Medium widmete: In Spex, FAZ, konkret und Titanic schrieb Dath zu jeglichen gesellschaftlich relevanten Themen, von Schröder bis zu Slayer und zurück. Nach und nach wurde er neben einem verdammt guten Essayisten auch noch zu einem hierzulande einzigartigen Romanschreiber. Spätestens mit “Die salzweißen Augen”, “Dirac” und “Waffenwetter” (alle Suhrkamp) bemerkte auch die breitere Öffentlichkeit, dass hier einer in einer Themenvielfalt (“Marxismus, Hardrock und höhere Mathematik”, FR) und mit einer Palette an literarischen Formen agiert, die sich mutig und alles andere als opportun in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur platziert. “Deutschland macht dicht” (Suhrkamp 2010) ist ein weiterer Versuch, den Zustand der Republik in einer Mixtur aus Politparabel und Science-Fiction zu schildern. Dath gibt dabei den Märchenonkel, der von den jungen Helden Hendrik und Rosalie erzählt, die den Kampf gegen die bösen Mächte des Geldes aufnehmen (Sumsilatipak!), wobei Rosalies Vater, Herr Vollfenster von der Erhabenen Zeitung die Lage kommentierend begleitet und Mandelbaum, ein schlauer Kopf in Hasengestalt, sich als allwissender Joker ins Geschehen mischt. Der Kanzler macht in der Zwischenzeit Deutschland dicht. Es folgt ein Fotofinish der gegeneinander arbeitetenden Kräfte, bei dem Dath nochmal richtig aufdreht. Der Autor sympathisiert wie auch die Chinesische Wäscherei mit “allen Bemühungen, eine Gesellschaftsordnung zu erreichen, in der vermeidbares Elend, unnötige Dummheit und Hässlichkeit vermieden werden”, so zumindest die Nürnberger Nachrichten. |