Kunst Und Kapital

Wo:Villa Ichon
Wann:31.01.12 um 20 Uhr
Was:Lesung
Kurz:Geld gegen Strich – Über die Kunst der Ware, scheinbar keine zu sein. Vortrag mit Sonja Witte

Der Vortrag verfolgt anhand des Vergleichs zweier gegensätzlicher
Positionen zeitgenössischer Kunst die Frage danach, wann Kunst aufhört
und gesellschaftliche Realität anfängt. , also danach, in welchem
Verhältnis die Sphäre der klassischen Ästhetik des Schönen und Wahren
zur Wirklichkeit steht. Vom Standpunkt psychoanalytisch-marxistischer
Ideologiekritik aus wird die Referentin an Performances von Santiago
Sierra und minimalistischen Objekten von Donald Judd die Frage nach der
Materialität der Kunstwerke
Verhandeln: Inwieweit bezieht sich die ästhetische Verwendung des
‚Stoffes‘ der Werke auf die gesellschaftliche Realität? Während Santiago
Sierra mit seinen Performances, die darin bestehen, Arbeitskraft gegen
Bezahlung für erniedrigende Tätigkeiten einzusetzen, demonstriert, dass
auch Kunst nichts anderes als eine Verschleierung gesellschaftlicher
Ausbeutung ist, scheinen sich die Objekte von Donald Judd fern ab von
der Materialität der Realität der Produktionsverhältnisse zu befinden
und sich nur mit der ästhetischen Kategorie der Form
auseinanderzusetzen. Unter Rekurs auf Adornos Ästhetische Theorie, Marx
Analyse der Spezifik des kapitalistischen Kapitalkreislaufs und Freuds
Theorie der Kunst als magischer Technik, die ein fetischistisches
Genießen bewirkt, wird der Vortrag folgende These entfalten: Die
‚politische Kunst‘ von Sierra, ist da, wo sie der Realität am nächsten
sein möchte, ein klassischer Fall der Ideologie des Warenfetisch und
Judds Werke sind, obgleich sie sich scheinbar abstinent vom
gesellschaftlichen Gewaltverhältnis halten, in der Art und Weise wie sie
ästhetische Form thematisieren, eine Demonstration des
gesellschaftlichen Prinzips von Naturbeherrschung unterm
Kapitalverhältnis. Die Referentin möchte damit demonstrieren, warum aus
gesellschaftskritischer Perspektive an Kunst nicht die Frage zu stellen
wäre, ob sie gesellschaftliche Gewaltverhältnisse anprangert oder nicht,
sondern die Aufgabe einer gesellschaftkritischen Auseinandersetzung mit
Kunst darin besteht, zu interpretieren, wie das Verhältnis von Ästhetik
und gesellschaftlicher Realität immanent in den Kunstwerken zum Ausdruck
kommt. Denn gerade, so die Schlagrichtung des Vortrags, explizit
politische Kunst folgt häufig einer anti-ästhetischen Tendenz in der
Absage an das – ebenso ideologische – Versprechen des Wahren und
Schönen, welches gegenläufig zur eigentlichen Intention die materielle
Gewalt der Verhältnisse affirmiert.