| Der Vortrag verfolgt anhand des Vergleichs zweier gegensätzlicher Positionen zeitgenössischer Kunst die Frage danach, wann Kunst aufhört und gesellschaftliche Realität anfängt. , also danach, in welchem Verhältnis die Sphäre der klassischen Ästhetik des Schönen und Wahren zur Wirklichkeit steht. Vom Standpunkt psychoanalytisch-marxistischer Ideologiekritik aus wird die Referentin an Performances von Santiago Sierra und minimalistischen Objekten von Donald Judd die Frage nach der Materialität der Kunstwerke Verhandeln: Inwieweit bezieht sich die ästhetische Verwendung des ‚Stoffes‘ der Werke auf die gesellschaftliche Realität? Während Santiago Sierra mit seinen Performances, die darin bestehen, Arbeitskraft gegen Bezahlung für erniedrigende Tätigkeiten einzusetzen, demonstriert, dass auch Kunst nichts anderes als eine Verschleierung gesellschaftlicher Ausbeutung ist, scheinen sich die Objekte von Donald Judd fern ab von der Materialität der Realität der Produktionsverhältnisse zu befinden und sich nur mit der ästhetischen Kategorie der Form auseinanderzusetzen. Unter Rekurs auf Adornos Ästhetische Theorie, Marx Analyse der Spezifik des kapitalistischen Kapitalkreislaufs und Freuds Theorie der Kunst als magischer Technik, die ein fetischistisches Genießen bewirkt, wird der Vortrag folgende These entfalten: Die ‚politische Kunst‘ von Sierra, ist da, wo sie der Realität am nächsten sein möchte, ein klassischer Fall der Ideologie des Warenfetisch und Judds Werke sind, obgleich sie sich scheinbar abstinent vom gesellschaftlichen Gewaltverhältnis halten, in der Art und Weise wie sie ästhetische Form thematisieren, eine Demonstration des gesellschaftlichen Prinzips von Naturbeherrschung unterm Kapitalverhältnis. Die Referentin möchte damit demonstrieren, warum aus gesellschaftskritischer Perspektive an Kunst nicht die Frage zu stellen wäre, ob sie gesellschaftliche Gewaltverhältnisse anprangert oder nicht, sondern die Aufgabe einer gesellschaftkritischen Auseinandersetzung mit Kunst darin besteht, zu interpretieren, wie das Verhältnis von Ästhetik und gesellschaftlicher Realität immanent in den Kunstwerken zum Ausdruck kommt. Denn gerade, so die Schlagrichtung des Vortrags, explizit politische Kunst folgt häufig einer anti-ästhetischen Tendenz in der Absage an das – ebenso ideologische – Versprechen des Wahren und Schönen, welches gegenläufig zur eigentlichen Intention die materielle Gewalt der Verhältnisse affirmiert. |