| Geld gegen Strich. Über die Kunst der Ware, scheinbar keine zu sein Vortrag und Diskussion mit Sonja Witte Santiago Sierra schockierte in den 1990er Jahren mit Performances, in denen er Menschen für erniedrigende Tätigkeiten bezahlte – z.B. ließ er einen Mann vor laufender Kamera masturbieren, er bezahlte Menschen dafür, sich Striche tätowieren oder sich tagelang in Kisten einzusperren zu lassen. Der moralischen Empörung der Öffentlichkeit entgegnet er, nichts anderes zu tun, was außerhalb der Kunstwelt tagtäglich vor sich geht. Damit wolle er demonstrieren, dass auch Kunst nichts anderes als eine Verschleierung gesellschaftlicher Ausbeutung ist. Die minimalistischen Objekte von Donald Judd hingegen , scheinen sich fern ab von der Materialität der Realität der Arbeitswelt zu befinden und sich nur mit der ästhetischen Kategorie der Form auseinanderzusetzen. Unter Rekurs auf Adornos Ästhetische Theorie und Freuds Theorie der Kunst als magischer Technik, die ein fetischistisches Genießen bewirkt, wird der Vortrag folgende These entfalten: Die ‚politische Kunst‘ von Sierra, ist da, wo sie der Realität am nächsten sein möchte, eine Inszenierung, die – entgegen der Proklamation von Sierra selbst – sehr wohl ihren ästhetischen Charakter bezeugt. Donald Judds Objekte wiederum – obgleich sie dem minimalistischen Credo zufolge auf nichts als sich selber als zeitlose Einheit verweisen möchte – verweisen sehr wohl auf den Prozess ihrer Herstellung und damit auf ein Außerhalb ihrer selbst. Die Referentin möchte damit demonstrieren, warum an Kunst nicht die Frage zu stellen wäre, ob sie etwas mit ‚unserer‘ alltäglichen Welt zu tun hat, sondern dass die Frage wie das Verhältnis von Ästhetik und gesellschaftlicher Realität immanent in den Kunstwerken zum Ausdruck kommt, einen wichtigen Ausgangspunkt für ästhetische Erfahrung darstellt. Vortrag von Sonja Witte. Eine Veranstaltung von Extrablatt. Aus Gründen gegen fast Alles. |