Die Krise in Europa und die Situation in Griechenland Info-Veranstaltung Montag, 30.01.12 20:00 Uhr Kulturzentrum Paradox Bernhardtstr. 10-12 Bremen Die Wirtschaft der BRD wuchs im letzten Jahrzehnt nur aufgrund der Exporte nach Asien und der Verschuldung der europäischen Randstaaten. Vor allem dank der chinesischen Konjunkturprogramme konnte sich die BRD so schnell vom globalen Kriseneinbruch abkoppeln. Nun aber kommt der Bumerang zurück: die BRD ist bereits in der nächsten Rezession, während in Griechenland und Portugal sogar wieder Hunger auf der Tagesordnung steht. All die massiven Interventionen der Staaten haben die globale Krise keinesfalls überwunden. Mittlerweile ist klarer als bei Ausbruch der Krise vor fast fünf Jahren, dass der Kapitalismus in der vielleicht tiefsten Krise seit seinem Bestehen steckt. Als Merkel und Steinbrück im Oktober 2008 eine Garantie für deutsche Spareinlagen aussprachen, setzten sie gleichzeitig das Prinzip durch, dass jeder europäische Nationalstaat »seine« Banken retten muss – eine Absurdität in einer Währungsunion! Die deutschen Regierungen haben zur Eskalation der globalen Krise als »Euro-Krise« beigetragen. Sie haben europaweit eine rigide Sparpolitik durchgesetzt und den Banken neue Profitmöglichkeiten verschafft. EU-weit werden die Sozialetats drastisch heruntergefahren, wird privatisiert und entlassen, werden Gehälter im öffentlichen Dienst massiv gekürzt, werden Arbeitsverhältnisse und Einkommensmöglichkeiten noch unsicherer gemacht. Die Umsetzung dieser »Sparpolitik« gilt als Bedingung für weitere finanzielle Hilfen … – die allerdings direkt an die Banken fließen und keineswegs an die Arbeitslosen in Griechenland! Während die Wirtschaft in vielen anderen Ländern der Europäischen Union stagnierte oder schrumpfte, Länder wie Griechenland und Portugal nun vor dem Staatsbankrott stehen, Italien, Frankreich und Österreich zunehmend in Schwierigkeiten kommen, boomten die deutschen Exporte und konnte sich der deutsche Staat zu niedrigen Zinssätzen refinanzieren. »Basis dieser »Erfolgsgeschichte« sind die »Arbeitsmarkt-Reformen« der ehemaligen Rot-Grünen Bundesregierung. Seit den Hartzgesetzen wurde der Niedriglohnbereich in Deutschland gewaltig ausgeweitet und die Arbeitsbedingungen verschlechtert. In der Krise wurde die Arbeit massiv verdichtet und die Leiharbeit stark ausgedehnt. In Bremen und Bremerhaven ist zum Beispiel seit 2007 die Zahl der Leute mit so geringem Lohn, dass er auf HartzIV-Niveau aufgestockt werden muss, um 25 Prozent gestiegen. In den Bremer Häfen wurde Niedriglohn durchgedrückt – noch während der Warenumschlag boomte. Aber die deutsche Wirtschaft hängt nach wie vor am Export, und fast 60 Prozent ihrer Exporte gehen nach wie vor in die EU. Süd- und Osteuropa schmieren ab, die Effekte der gewaltigen weltweiten staatlichen Konjunkturprogramme laufen aus. Der deutsche Zwischenboom ist zuende. Das Bruttoinlandsprodukt der BRD ist im letzten Quartal 2011 bereits leicht gesunken. Es kann als sicher gelten, dass es auch im ersten Quartal 2012 sinkt, damit wäre die BRD auch technisch betrachtet in einer Rezession. Dann wird es auch hier mit der beklemmenden Ruhe zuende sein … Weltweit hat 2010/2011 eine globale Welle von Kämpfen begonnen. Die Streikwelle in China, die Aufstände in Nordafrika, die Occupy-Bewegung in den USA... Wie stehen die Aussichten, dass davon auch was in der BRD ankommt? Wir müssen aber auch diskutieren, wie eine moderne Gesellschaft wie Griechenland funktioniert, wenn mittlerweile wieder Leute nicht mehr satt werden? In der jeder vierte arbeitslos ist? Wie organisieren die Leute ihr Leben und das, was sie täglich brauchen? Strom, was zu essen … Welche kollektiven Aneignungsformen, welche kollektiven Kampfformen entwickeln sich unter der Oberfläche? Deshalb haben wir einen Freund aus Griechenland eingeladen, der am 30. Januar über die dortige Situation berichten wird. Davor werden wir die »Euro-Krise« genauer einordnen. – Und danach gibt es hoffentlich eine rege Diskussion! Eine Veranstaltung von Wildcat + bmf – bremen macht feierabend |