FIfF-Konferenz: Künstliche Intelligenz als Wunderland

Wo: ganz woanders!
 Universität Bremen
Wann:23.11.19 um 9:30 Uhr
Was:Sonstiges
Kurz:

Vom 22. bis 24. November 2019 findet in Bremen die FIfF-Konferenz 2019
unter dem Motto Künstliche Intelligenz als Wunderland statt. Alle
Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. Mehr
Informationen dazu im Folgenden und können ausführlich und jederzeit
aktualisiert auf der Webseite der Konferenz unter
https://2019.fiffkon.de gefunden werden.

Einladung zur FIfF-Konferenz 2019
Künstliche Intelligenz als Wunderland
vom 22. bis 24. November 2019 in Bremen

In der berühmten Erzählung Alice im Wunderland von Lewis Carroll
begegnet die Protagonistin im Wunderland den merkwürdigsten Gestalten
und erlebt kuriose Abenteuer. Ein neues Wunderland eröffnet sich heute
durch Künstliche Intelligenz. Es ist von Robotern bevölkert, die Fußball
spielen, tanzen, jonglieren, kochen, Dienstleistungen aller Art
erbringen, Alte und Kranke pflegen und Orte erkunden, die für Menschen
gefährlich oder unerreichbar sind. Es gibt dort selbstfahrende Autos und
unbemannte Flugobjekte. Lernende neuronale Netze beeindrucken, weil sie
fast alle Spiele gegen fast alle Spielerinnen und Spieler gewinnen. Man
trifft allenthalben auf Systeme, die sehen, lesen, sprechen und lernen
können. Und es wird gemunkelt, dass sich demnächst eine neue Spezies mit
Superintelligenz dazu gesellen wird, die besser denken kann als alle
Menschen zusammen.

1956 traf sich eine kleine Gruppe junger Wissenschaftler – später alle
berühmte Vertreter ihres Faches – für einige Wochen im Dartmouth-College
und begründete dort gemeinsam das Gebiet der Künstlichen Intelligenz
(KI). Ihr erklärtes Ziel war, Computersysteme zu entwickeln, die
Leistungen erbringen können, für die Menschen ihre Intelligenz einsetzen
wie logisches Schließen, Planen, Lernen, Textverstehen, … In einem Auf
und Ab zwischen massiv zunehmender und stark abnehmender staatlicher
Förderung – teils auch ganz erheblich im militärischen Kontext –
kristallisierte sich allmählich die KI als ein wichtiges Teilgebiet der
Informatik heraus. Die anfänglichen Ziele gelten auch heute noch; die
wesentlichen Methoden wie neuronale Netzwerke sind meist auch schon seit
Jahrzehnten bekannt. In jüngster Zeit aber verzeichnet die KI durch die
erreichte Rechengeschwindigkeit und Speicherkapazität äußerst
bemerkenswerte technologische Erfolge bei Spielen wie Schach, Go, Poker
und Starcraft und bei praktischen Anwendungen wie Sprach- und
Bildverarbeitung.

Aber mit dem erreichten Stand der KI sind auch übertriebene Erwartungen,
übersteigerte Hoffnungen und höchst problematische
Anwendungsmöglichkeiten verbunden. KI wird von Politik und Wirtschaft
weltweit als Schlüsseltechnologie gesehen, von der die zukünftige
Wertschöpfung abhängt und die einen signifikanten Teil der heutigen
Arbeitsplätze obsolet werden lassen könnte. Die sich abzeichnenden
Anwendungen im militärischen Kontext führen zu einer gigantischen
Rüstungsspirale, was die Gefahr von Kriegen wohl kaum verringern wird.
KI-basierte Überwachungsmethoden lassen tiefe Eingriffe in die
Privatsphäre und andere Grundrechte befürchten bis hin zu einer sozialen
Totalüberwachung, wie sie in China auf der Tagesordnung steht. Auf der
Weltbühne ist ein geostrategisches Wettrennen entbrannt, wer bei KI die
Nase vorn hat.

Politik und Wirtschaft scheinen Wunderdinge von der Künstlichen
Intelligenz zu erwarten. Eine Reihe von Fachleuten bestärkt die
hochgeschraubten Erwartungen und Hoffnungen durch vollmundige
Ankündigungen. 2019 ist als Wissenschaftsjahr der KI ausgerufen. Die
Bundesregierung hat eine KI-Strategie auf den Weg gebracht, durch die
Deutschland führend auf dem Gebiet der KI werde soll – finanziell
unterfüttert mit bescheidenen drei Milliarden Euro. Ihr geht es um den
Ausbau der „Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft“ und um einen
„spürbaren gesellschaftlichen Fortschritt“. Der Bundestag hat sich vor
einem Jahr eine Enquete-Kommission KI mit dem Zusatz „Gesellschaftliche
Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“
gegeben, um damit „eine der zentralen Debatten unserer Zeit“
aufzugreifen. Man kann nur wünschen, dass die Abgeordneten vernünftige
Einsichten gewinnen.

Es ist also dringend geboten, das Mögliche und Wünschenswerte vom
Märchenhaften, Phantastischen und Schreckeneinflößenden zu trennen. Die
FIfF-Konferenz 2019 bietet dafür eine Plattform. Die
Auftaktveranstaltung am Freitag findet mit zwei Vorträgen und einer
halbstündigen Aufführung des Theaters der Versammlung im Überseemuseum
direkt neben dem Hauptbahnhof statt. Sie beginnt um 18.00 Uhr und endet
mit einem kleinen Empfang. Am Samstag und Sonntag geht die Konferenz in
der Universität Bremen weiter. Am Samstag stehen ab 9.30 Uhr sechs
Vorträge, einige parallele zweistündige Arbeitsgruppen, die Verleihung
des Weizenbaum-Studienpreises und der FIfF-Bericht auf dem Programm. Der
Tag klingt mit einem netten Beisammensein aus. Der Sonntag beginnt ab 10
Uhr mit zwei weiteren Vorträgen, die aus aktuellem Anlass Umwelt, Klima
und Nachhaltigkeit in die Diskussion einbeziehen sollen. Er endet mit
der FIfF-Mitgliederversammlung, zu der auch Nichtmitglieder herzlich
willkommen sind.

Wir können uns auf folgende Vorträge freuen:

Marie-Luise Abshagen und Nelly Grotefendt (Forum Umwelt und
Energiepolitik): Nachhaltige Digitalisierung – Wunschdenken oder Realität?

Capulcu: Künstliche Intelligenz – Bereicherung oder digitalisierte
Bevormundung?

Alexander von Gernler (Vizepräsident der GI): Geschlossene
Gesellschaft – Von der Verantwortung der Informatik

Marit Hansen (Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein): Die
Empfehlungen der Datenethikkommission: Bedeutung für die Informatik

Matthias Monroy (Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der
Redaktion der Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP): Die
Militarisierung der Festung Europa und wie europäische Rüstungskonzerne
daran verdienen

Rainer Rehak (Weizenbaum-Institut und FIfF-Vorstand): Folgenreiche
Verführung – Begriffskritik autonomer und intelligenter Systeme

Elke Schwarz (Queen Mary University London): Silicon Valley zieht
in den Krieg: KI, autonome Waffen und politisch-moralische Verkümmerung

Bernhard Stoevesandt (Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme
und Scientists4Future): Wird KI die Welt retten?

Veronika Thiel (AlgorithmWatch): Viel Lärm um Wenig: Ethische
Richtlinien in der Algorithmenentwicklung

Dominik Wetzel (freier Journalist) und Christoph Marischka
(Informationsstelle Militarisierung): Die Produktionsbedingungen
künstlicher Intelligenz

Wir möchten alle Interessierte zur FIfF-Konferenz 2019 vom 22. bis 24.
November 2019 nach Bremen einladen, um mit uns das Wunderland der KI zu
erkunden und genauer unter die Lupe zu nehmen. Was ist dran an den
hochfliegenden Plänen und Versprechungen? Welche Erwartungen und
Hoffnungen sind realistisch, welche sind übertrieben, welche sind
unerfüllbar? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen sind zu erwarten und
wie soll man mit ihnen umgehen? Welche Risiken und Gefahren sind mit den
aktuellen und zukünftigen Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz
verbunden und wie ist ihnen zu begegnen?

Die FIfF-Konferenz ist öffentlich. Alle Veranstaltungsräume sind mit dem
Rollstuhl über einen Fahrstuhl erreichbar. Der Eintritt ist frei. Für
Verpflegung wird am Wochenende gegen einen Unkostenbeitrag gesorgt. Um
besser planen zu können, bitten wir um unverbindliche Anmeldung unter
2019.fiffkon.de. Wir wollen auch Kinderbetreuung anbieten. Dazu ist eine
verbindliche Anmeldung bis zum 31. Oktober per E-Mail an
ingrid.schlagheck@fiff.de erforderlich.